Homöopathischer Weltärztekongress in Leipzig

Von der Dialogfähigkeit der Homöopathie und einer bemerkenswerten Wasserarznei

Samuel Hahnemann, der Vater der Homöopathie, hätte seine Freude über dieses Ereignis kundgetan. Über 1200 Ärzte aus 60 Nationen waren in Leipzig dabei, um im Rahmen des diesjährigen homöopathischen Weltärztekongress miteinander zu diskutieren. Mehr als 120 Referenten wurden aufgeboten. Auch Laien durften am Patiententag das Wissen der Homöopathen in Anspruch nehmen. Und das Themenspektrum versprach einen lebendigen Austausch. Wie bei einem Vortrag über ein besondere Wasserarznei.

Leipzig war ein guter Tagungsort mit einem ausgeprägten Wohlfühlfaktor. Die Kongresshalle am Zoo passte zu dieser Veranstaltung, einen besseren Platz hätte man nicht finden können. Perfekt. Auch weil die Besucher aufgrund ihrer Herkunft den internationalen Charakter der Homöopathie bestätigten. Denn die Klassische Homöopathie ist mittlerweile weltweit tätig. In Europa, in Lateinamerika, in den USA, auch - und hier besonders stark vertreten - in asiatischen Ländern wie Indien und Pakistan.

Der Kongress stand unter dem Motto „Networking in Medical Care“, „das bedeutet für uns die Kommunikation und Zusammenarbeit mit anderen Therapiemethoden“, sagte Cornelia Bajic, Allgemeinärztin und 1. Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), denn das Ziel müsse sein, „jeweils das beste Therapiekonzept für den Patienten zu erarbeiten, – nicht das Festhalten an einem Dogma.“ Dabei gehe es vor allem darum, auch für Patienten mit Mehrfachdiagnosen oder schweren chronischen Erkrankungen leichter individuelle Therapiemöglichkeiten bereitstellen zu können. Den Patienten dürfte diese Herangehensweise gefallen. Das beste Rezept für die Gesundung.

Der Kongress hatte viele spannende Themen im Köcher. Große und kleine, Podiumsdiskussionen und Dialogforen zu Themen aus der Kinderheilkunde, Urologie oder Neurologie. Forschung und Lehre. Aber auch die Fallbeschreibungen. Vier Tage standen dafür zur Verfügung. Es hätten gut und gerne weitere sein können.

Für den Münchener Forschungs-Verein Quellen des Lebens, der sich im Schwerpunkt mit dem Thema gesundes Wasser für eine gesunde Medizin beschäftigt, konzentrierte sich die ganze Aufmerksamkeit auf den Vortrag des Referenten Dr. med. Jörg Hildebrandt aus St. Pölten, der vor gut drei Jahren mit einem bemerkenswerten Experiment begonnen hatte. Eine Arzneimittelprüfung mit einem besonderen Quellwasser. Eine Quelle aus Bayern, aus Bad Leonhardspfunzen in der Nähe von Rosenheim. Mittlerweile ist diese Prüfung abgeschlossen. Über die Ergebnisse berichtete er in seinem Vortrag auf dem Leipziger Kongress - siehe dazu sein Beitrag auf den folgenden Seiten

Vorweg: Als er mit dem Projekt startete, stellte er sich einem Interview zur Verfügung:

Walter Ohler: Eine homöopathische Arznei unterscheidet sich fundamental von einer synthetischen Arznei? Vor allem was die Herstellung betrifft. Wie würden Sie diesen Unterschied beschreiben?

Dr. Jörg Hildebrandt: Ja, das ist korrekt. Mit einem pharmazeutischen Arzneimittel greife ich möglichst gezielt in einen biochemischen Prozess ein. Also: ich blockiere eine lebensnotwendige Funktion bei Bakterien, damit diese sich nicht mehr vermehren können oder gleich absterben (Antibiotikum). Oder ich ersetze fehlen- des Insulin beim Diabetiker. Oder ich er- weitere die Blutgefäße mit einem Nitro- Spray (gegen Angina Pectoris). Man dreht an einem Zahnrad und ärgert sich über gelegentliche Nebenwirkungen – beim Nitrospray sind das z.B. Kopfschmerzen.

Bei einem homöopathischen Arzneimittel ist das anders: Ich vermeide die biochemische Reaktion dadurch, dass ich es in mehreren Schritten verdünne, es dabei aber unbedingt auch mit kräftigen Schüttelschlägen „potenziere“. Zum Bei- spiel ist die D 12 1:1012 mal verdünnt, die C 12 hingegen1: 10012 mal. Schon bald ist kein Molekül der Ausgangssubstanz mehr

vorhanden, das eine biochemische Reaktion bewirken könnte. Oft therapieren wir mit C 200! – Und es wirkt. Kritiker, die nur pharmazeutische Wirkungen verstehen, sagen: Wo kein Molekül vorhanden ist, könne auch keine Wirkung sein – also bilden wir Homöopathen und Patienten uns die Heilerfolge nur ein! Polemisch ausgedrückt ist das so, wie wenn man die Informationen der Weltnachrichten des- halb leugnet, weil man nach Zertrümmerung des Fernsehapparates keinen Nachrichtensprecher gefunden hat.

Die Homöopathie wirkt über die Herstellung einer Ähnlichkeit. Das ist bioche- misch nicht verstehbar. Nitroglycerin (Nitro-Spray) wurde als Glonoinum bereits in die Homöopathie eingeführt, lange bevor die Schulmedizin es entdeckte. Es wirkt homöopathisch dann, wenn pulsierende Kopfschmerzen auftreten (was oft, aber nicht immer bei Bluthochdruck der Fall ist) – Ich muss also die Ähnlichkeit der Erkrankungssymptome zu den Prüfungssymptomen eines Arzneimittels finden, damit der Körper so eine Art fehlende Information, fehlenden Programmierungstext bekommt, um zu heilen. Es geht nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein Sowohl-als-auch, eine Integrative Medizin: Ich muss wissen, wann ich was mache. Bei der Angina Pectoris gebe ich Nitrospray akut, damit die Herzkranzgefäße weit werden, homöopathisch gebe ich es als Glonoinum für längerfristige Heilung, wenn die Gesamtheit der Symptome passt.


Walter Ohler: Was passiert bei einer homöopathischen Arzneimittelprüfung?

Dr. Jörg Hildebrandt: Arzneimittelprüfung ist das (eigentlich) falsche Wort, weil es heute mit der Vorstellung einer pharmazeutischen (biochemisch wir- kenden) Arzneimittelstudie eng verbunden ist. Das ist etwas völlig anderes. Bevor Hahnemann, der Entdecker der Homöopathie, diese Selbstversuche 1790 erstmals entwickelt hat, waren die Patienten noch am besten dran, die sich keinen Arzt leisten konnten. Die anderen wurden zusätzlich zu ihrer Krankheit noch vergiftet. Man verabreichte damals nämlich Tollkirschen, Fliegenpilz, Quecksilber, Arsen, Schwefel, etc. in teilweise großen Mengen nach theoretischen Überlegungen. Deshalb gab Hahnemann, damals hoch angesehener Arzt und Autor in Fachzeitschriften, seinen Beruf auf! Bis er auf das Ähnlichkeitsprinzip stieß und diese Selbstversuche entwickelte. Er war praktisch der erste, der systematisch und wissenschaftlich Arzneien prüfte. Hahne- mann ist also eigentlich der Pionier der Arzneimittelprüfung und der klinischen Pharmakologie in der konventionellen Medizin.

Da wir beobachten, was homöopathische Globuli in uns auslösen können, wenn wir entsprechend unsere Aufmerksamkeit und Beobachtung darauf legen, ist der Ausdruck „homöopathische Arzneimittelselbsterfahrung“ gerechtfertigt. Bei verschiedenen Teilnehmern kommen dabei (meist relativ unscheinbare), ihnen bisher unbekannte Symptome zum Vorschein. Erst in der Zusammenschau der Symptome, Träume und Gefühlszustände mehrerer Probanden zeigen sich die Wirkrichtungen der Arznei.

Die Arznei – meist in einer C 30 oder D 30 – wird bis zu 4 Tage hintereinander eingenommen, und nur bis zum Auf- treten von neuen Symptomen. Die können schon nach der ersten Einnahme er- scheinen. Jede Einnahme einer unpassenden homöopathischen Arznei, wie man sie sich leicht aus der Apotheke be- sorgt, könnte so eine Reaktion bewirken, je länger ich sie einnehme desto eher. Eine Arzneimittelselbsterfahrung ist also ungefährlicher als jede Selbstmedikation oder Einnahme von Mischmitteln („Komplexmitteln“) – die alle zugelassen sind und seit Jahrhunderten ohne große Probleme verwendet werden. Die Symptome verschwinden von selbst nach Stunden, Tagen oder maximal Wochen. Wenn sie doch zu unangenehm sind, kann der betreuende Selbsterfahrungsleiter ein homöopathisches Heilmittel für den Probanden geben. Man entwickelt nur Symptome, die zur Arznei gehören, aber zu deren Entwicklung der Körper auch selbst imstande ist. Viele Probanden entwickeln keine Symptome.

Die Kunst besteht darin, aus der Vielzahl der Symptome ein erstes Bild, eine erste Wirkrichtung der Arznei festzustellen, die sich dann bestätigt, wenn Patienten mit den gleichen Symptomen mit dieser Arznei geheilt werden.


Walter Ohler: Entspricht dieses Verfahren dem modernen europäischen Arzneirecht?

Dr. Jörg Hildebrandt: Unsere gebräuchlichsten Mittel sind europaweit zugelassen (Europäisches Arzneibuch) und die sind nach diesen Kriterien geprüft worden. Es ist eine über 200-jährige, ununterbrochene, ethisch ein- wandfreie, weltweite Tradition, günstige Heilmittel der Menschheit durch Selbstbeobachtung und Dokumentation zur Verfügung zu stellen.

Die homöopathische Arzneimittelselbsterfahrung hat nichts mit einer kli- nischen Arzneimittelprüfung zu tun. Ich wünsche mir, dass die Homöopathische Selbsterfahrung, die eine nicht institutionelle, nicht kommerzielle Beobachtungsforschung ist, nach eigenen Kriterien beurteilt wird. Sie ist eine Brücke zwischen Natur- und Geisteswissenschaften. Die molekulare Giftigkeit ist bei C 30 – unserer üblichen Prüfungspotenzstufe – irrelevant, da nicht vorhanden. Wir beobachten Wirkungen in Dosierungen, wie sie täglich unreflektiert in der Selbstmedikation x-fach überschritten werden. Und es ist eine Art „Informationsprüfung“. Wenn ich beobachte, was ein TV-Krimi für Veränderungen hervorrufen kann, vom Herzschlag über unruhige Träume bis zur Unkonzentriertheit am nächsten Tag, dann ist da auch eine Wirkung.


Walter Ohler: Gibt es unterschiedliche Standards, Methoden bei der homöopathischen Arzneimittelselbsterfahrung?

Dr. Jörg Hildebrandt: Nein. Im Grunde genommen beziehen wir uns auf die Grundsätze, wie Dr. Hahnemann sie festgelegt hat. In neuerer Zeit wurden sie durch Publikationen von Jeremy Sherr an die oben kurz skizzierte Weise angepasst, modernisiert. Details können leicht variieren. Relativ modern ist auch die Informationsgewinnung aus dem Herstellungsprozess selbst: Apotheker berichten, dass sie schon beim Verreiben der Arzneien (erster Herstellungsschritt) mitunter Symptome bekommen können. Das kann man nutzen, um zu durchaus vergleichbaren Arzneiselbsterfahrungs-Symptomen zu kommen (Verreibungsprüfung). Wir erforschen gerade die Vergleichbarkeit.


Walter Ohler: Sie beschäftigen sich zur Zeit mit dem Thema Wasser in der Homöopathie. Welche Wässer sind rückblickend in der Geschichte der Homöopathie schon geprüft worden?

Dr. Jörg Hildebrandt: Es sind schon mindestens 20 Wässer geprüft worden – meist nicht allzu intensiv, oder sie haben keine allzu heftigen Symptome produziert. Bei Salzen, die ja auch in Wässern gelöst sind, finden wir sehr tiefgreifende Symptome. Damit sind die Wässer auch unterschiedlich durch die verschiedenen Minerale, die in ihnen gelöst sind. Das bekannteste Heilmittel aus Wasser ist Sanicula – aus einer Quelle in Ottawa, USA. Das ist öfters bei Kindern angezeigt.

Walter Ohler: Sie werden sich mit einem Quellwasser beschäftigen, einem sogenannten lebendigen Wasser aus einer Arteserquelle, dem nachgesagt wird, es sei ein besonders gesundes Wasser. Was erwarten Sie von dieser homöopathischen Arzneimittelselbsterfahrung?

Dr. Jörg Hildebrandt: Ich bin offen und neugierig, eine Voraussetzung, wie bei allen Arzneimittelselbsterfahrungen. Bei giftigen Substanzen kann man Symptome ähnlich denen der Vergiftung – nur viel dezenter – erwarten. Bei Nahrungsmitteln ist das schwieriger. Erwartungen können einen ziemlich fehlleiten: Ich prüfte einst den Dornenkronenseestern, Acanthaster planci: der tritt massenhaft auf und frisst im Indopazifik ganze Riffe leer. Ich dachte, das könnte ein Mittel gegen Fresssucht sein – im Endeffekt war kein noch so kleines Anzeichen auf so eine Bulimie zu erkennen, dafür wurde es mein wirkungsvollstes Grippemittel. Und dann erkannte ich auch die Ähnlichkeit zwischen den vielarmigen Seesternen und Grippeviren. Die Seesterne lutschen die Korallenpolypen aus, wodurch die Riffe ausschauen, wie unsere Nasenschleimhaut nach einem Schnupfen. Und sie treten in Wellen auf, wie die Grippewellen. Bei einer homöopathischen Arzneimittelselbsterfahrung lernt man die Welt aus einem neuen, sehr tiefgründigen Blickwinkel zu verstehen.

Gut drei Jahre später hält er über seine Arzneineimittelselbsterfahrung mit dem Quellwasser auf dem Weltärztekongress der Homöopathie einen Vortrag. Seine Ergebnisse lassen aufhorchen. Wie tauglich ist aqua St. Leonhard als homöopathische Arznei?

 

Wasser als homöopathische Arznei

Prüfung und Anwendung von Quellwasser der Sankt Leonhards Quelle (nativ und enteisent)

von Jörg Hildebrandt

Wir leben in einer Zeit, in der für viele die Arbeit zu einer zunehmenden Belastung wird. Es wird einem reduzierten Personalstand immer mehr aufgehalst. Die Arbeit bleibt liegen, der Druck steigt. Oft werden die Probleme nach Hause mitgenommen. Ein Burnout ist die Folge. Das Gefühl, mitschwimmen zu müssen, nicht aus zu können, sich nicht selbst verwirklichen zu können, macht den Alltag trist, wie gefangen oder versklavt. Oft kostet die Pflege erkrankter Angehöriger zusätzliche Energie. Es läuft nicht mehr rund. Es stockt oder stolpert.

„Es ist schwer, erdrückend, wie in einem Glaskasten aus dem ich ausbrechen möchte.“ sagte eine junge Patientin im Burnout. Nach einmaliger Einnahme von  Aqua St. Leonhard enteisent MK sagte sie bei der nächsten Kontrolle: „Ich bin sehr glücklich, dass ich mich nicht gleich in etwas hineingepresst und gezwungen fühle.“ – mehrere Wiederholungen waren nötig, bis sie wieder ganz normal im Arbeitsprozess integriert war (allerdings bevor sie überhaupt den Termin hatte, um ihre Rehabilitationskur antreten zu können!)

Ein anderer Patient, der wegen körperlichen Beschwerden kam, sagte nach der Therapie: „Tagelang hatte ich das Bild eines gläsernen Würfels vor meinen Augen: Der religiöse Denkrahmen der anderen als Gefängnis meines Denkens! Wie eine Fliege ans Fenster bin ich immer wieder dagegen geflogen. Jetzt bin ich draußen!“

Verstopfte Nasen, trockene Augen, allergisches Jucken von Augen, Nasen und Ohren, stolpernde Herzen, Opressionsgefühle der Brust, verschlagene Ohren, verspannte Mm. Sternocleidomastoidei, Panikattacken wurden geheilt.

Was ist das für eine Arznei? Was ist ihr Wesen?

Als vor einigen Jahren Herr Abfalter, der Eigentümer der bayrischen St. Leonhards- und anderer Quellen, an mich herantrat, um sein intensiv erforschtes artesisches (selbst entspringendes) Quellwasser auch homöopathisch zu erkunden, fand ich die Idee, ein Wasser zu prüfen, wenig spannend. Es gab schon viele kleine Wasserprüfungen, doch werden die Arzneien selten verwendet. Doch wenn die Industrie schon Interesse zeigt, wollte ich das unbedingt fördern und weitere Fragen klären: Was ist das innere Wesen von Wässern? Gibt es einen Unterschied zwischen dem Quellwasser (dessen hoher Eisenanteil unappetitlich ausflockt) und dem Flaschenwasser, das über Kieselsäulen gereinigt (enteisent) wurde? Wie weit tragen ihre gelösten Minerale zur Arznei bei? Zur letzteren Frage erstellte ich aus der Zusammensetzung des Wassers eine Hypothese, indem ich die Elemententheorie Jan Scholtens zur Hilfe nahm: Jedes Element des Periodensystems hat in der Homöopathie bestimmte psychische und körperliche Themen-bereiche.

Der Erkenntnisweg:

1)  Doppelblinde, homöopathiespezifische Arzneiprüfung an Gesunden (Ethikkommision oK)

2)  Einfachblinde Triturationsprüfung bis zur C3 Verreibung

3)  Rückmeldungen erfolgreich behandelter Patienten/innen machen Symptome verständlich, klären die (klinischen) Indikationen, zeigen Vergleichsarzneien.

zu 1): Insgesamt 103 Proben wurden an 52 ProbandInnen ausgegeben. Davon waren 38 Protokolle von 33 Prob. auswertbar und in insgesamt 660 Rubriken eingeteilt. Die 2 Ausgangssubstanzen (nativ – aus der Quelle und enteisent - aus der Flasche) wurden von der Firma Remedia in Eisenstadt zur C 30 potenziert und verblindet. Es gab schriftliches Einverständnis, Ethikkommission, Anamneseheft, elektronisches Protokoll, engmaschige  Supervision der ProbandInnen und max 4 Tage Einnahme – aber Beobachtung solange neue Symptome auftauchten.

Auffallend war ein sehr langwieriger, zäher Rekrutierungsprozess, und oft rasche Abbrüche. Die Symptome kamen aus vielen körperlichen Bereichen, und waren sehr ähnlich zwischen den 2 Wasservarianten. Es schien, als wollte das Wasser nicht gesehen werden, als entglitte es meinen Fingern: Wann setzte ich es ein? Eines der spannendsten Symptome war eine Herzrhythmusstörung, die bei einem Kollegen auftrat. Er schrieb sich selbst in der kurzen Zeit des Bestehens dieses Symptoms ein EKG und konnte daher einen Bigeminus diagnostizieren!

zu 2) Dass gute Verreibungsprüfungen mit Einnahmeprüfungen auch statistisch vergleichbar sind und in der Gesamtheit ihrer Symptome übereinstimmen, konnte ich bei früheren Arbeiten zu „Pele’s Hair“ einer Vulkanarznei vom Kilauhea, nachweisen (siehe Publikationen in Documenta homoeopathica und Homöopathie in Österreich). Mit Hilfe der erfahrenen Verreibungsgruppe um Dr. Susanne Diez konnten wir beide Wasserformen verreiben. Auf diese Symptome konnte ich bereits erfolgreich verschreiben, noch bevor sie sich in der Arzneiprüfung bestätigt hatten. 

Da hierbei mehr psychische Symptome zutage traten, konnte ich sie den einzelnen Ionen des Wassers zuordnen und fand eine hohe Übereinstimmung. Diese Übereinstimmung zeigt, dass die Themen denen der Kindheit / Jugend und frühen Adoleszenz entsprechen: vom körperlichen Fokus über den Beziehungsbereich bis zur Arbeitswelt. (2-4. Periode)

Auch bei der Enteisenten Variante ist das homöopathische Thema von Eisen sehr deutlich: Ferrum wird ja nicht entfernt, sondern reduziert, so wie in der homöopathischen Dynamisation alles reduziert und dadurch deutlicher wird!

Ein paar typische Symptome / Visionen zum Eisen sind (Die Arznei war nicht bekannt!):

•      Als hätte ich eben den dritten Berg bestiegen, hinter dem ich das Ziel vermutete, und erkennen muss, dass das Meer noch weit ist und weitere Berge vor mir liegen. C2/3a

•      Gefühl des Eingespanntseins, des Umspanntseins beider oberer Sprunggelenke, wie Fesseln.C2/3b

•      Jemand kommt und schneidet mit einer Schere die Gefängnisgitter auf C3/5

Das Gefühl der Sisyphos Arbeit ist typisch für Ferrum: man wird nicht fertig, es kommt noch etwas und noch etwas. Spannend ist das Verlangen zum Meer zu wollen - bei einer Wasserarznei!

Das Thema von gefangen, umspannt, gefesselt allerdings könnte außer zum Metallbezug über die Mineralienzusammensetzung hinausweisen: So ist diese Quelle dem Heiligen St. Leonhard geweiht. Er ist der Schutzpatron der Gefangenen und damit später auch der (in Ketten gehaltenen) Nutztiere. Mit dem kirchlichen Bezug kommt auch die religiöse oder moralische Komponente mit ins Arzneimittelbild.

Ob dieser Zusammenhang durch eine Prägung des Wassers auf das Thema des Heiligen entstand oder der Heilige die Benennung der (gefühlten) Qualitäten des Wassers darstellt, kann ich nicht klären. Interessant in diesem Zusammenhang sind andere Wasserforschungen, die eine leichte Prägung des Wassers finden (Tropfenbilder, Kristallisationsbilder verschiedenster Erzeugungsart). Die Patienten sprechen mitunter von ihrer hohen (Hyper)-Sensibilität, vor allem als Kinder.

Den anfangs zitierten Heilerfolgen „nicht mehr gegen eine Glaswand zu fliegen“ kann man eine Ähnlichkeit mit der Glasflasche, die sich dann auf das Wasser geprägt hätte, nicht  absprechen.

zu 3) Bei den erfolgreich behandelten PatientInnen zeigte sich, dass ein Wechsel zwischen Nativ und Enteisent nicht zu gleichen Ergebnissen führte – es muss also einen Unterschied geben. In unklaren Fällen, versuche ich dennoch, ob ich mit der anderen Form mehr herausholen kann.

Die native Form verwende ich eher bei jungen Leuten oder jugendlicheren Themen (man muss immer in Bewegung bleiben), die enteisente Form mehr, wenn das Gefühl vorliegt, am Ende, gefangen, ziellos zu sein. Das Bild einer alten Frau im Altersheim, die sich in ihrer Altersdepression abgekapselt hat (kam bei der Verreibung auf) passt gut, - und half auch schon bei Rückzug durch Altersdepression.

Die enteisente Form ist gereinigt von den Schwebteilen – einerseits übersieht man sie damit leichter („Ich werde nicht wahr genommen, bin immer übersehen worden“), andererseits kann mit altem aufgeräumt werden, Platz für neue Räume geschaffen werden.

Damit ist es auch als Zwischenmittel denkbar, wenn Leute kein weiteres Ziel mehr haben (eine Burnout Patientin hatte alles erreicht in ihrer Karriere – jetzt macht sie die Studienberechtigungsprüfung und bricht zu neuen Ufern auf.) 

Auch Loslösung nach Trauerprozessen kann unterstützt werden. Nicht zuletzt deshalb, weil sich in den Krankengeschichten viele Natrium chloratum Anteile finden, oft aber auch Acidum Nitricum Komponenten.

Immer wenn sich etwas nicht löst, nicht fließt, wie in der verstopften Nase oder in den verschlagenen Ohren, vor allem wenn sie bei Stress zu gehen – bringt dieses Wasser die Dinge zum Fließen (wenn es homöopathisch angezeigt ist ). Auch bei relativer Tränenwegsverengung – wo die Tränen zu viel fließen, aber eben aus dem Auge und nicht in die Nase, konnte ich einen Erfolg verbuchen, oder wenn die Lidranddrüsen (Meibomdrüsen) verstopft  sind und daher das Auge trocken oder tränend.

Bei einer jungen Patientin mit einem Hämangiom im Rückenmark des Halses kam es zu Bewegungsstörungen des rechten Armes und Beines und einem unerträglichen inneren Juckreiz im Arm. Der konnte mit Aqua St. Leonhard enteisent in einen viel besser erträglichen Schmerz und dann in Schmerzfreiheit mit verbesserter Motorik verwandelt werden. Immer wieder kam es zu depressiven Episoden, da sie in einer moralischen Pattsituation mit ihrem Freund und ihren besorgten Eltern steckte. Der Freund drohte regelmäßig sich umzubringen, wenn sie ihn verlassen wollte und die Eltern hatten Angst um ihre Gesundheit, wenn sie das Leben genießen wollte. Andere Arzneien dazwischen führten immer wieder zu einer Verschlechterung (außer einmal Octopus), die Wasserarznei wieder zu einer deutlichen Besserung -  aber aus dem Patt befreite sie sich schließlich nicht. Nun hofft Sie auf eine chirurgische Sanierung und brach die Behandlung leider ab.

Interessant ist, dass hier der Juckreiz wieder vorkommt, der in der Prüfung in den Augen, Ohren und Gesicht auftrat und bei allergischer Rhinokonjunktivitis öfters behandelt werden konnte (und übrigens bei vielen Wasserarzneien auftritt).

 

Krankengeschichten St. Leonhard Nativ

Unterstrichen sind die Symptome, die sich in der Prüfung so oder entsprechend ähnlich wiederfinden lassen, mit der entsprechenden Codierung dahinter.

40 Jähriger Mann mit Panikattacken, Schwindel, Magenbeschwerden

Der Patient kam Mitte Juni 2014 zu mir. Seit einer Panikattacke vor genau einem Jahr war er nicht mehr fit. Damals hatte er abends beim Niederlegen G9, S5, T5, NS nach der Arbeit einen Druck in der Brust, G10,S4,T4,NS hohen Blutdruck und ein Kribbeln in den Händen G12, S20, T22, NS. In der Notaufnahme und beim Internisten wurde nichts gefunden und Panikattacke diagnostiziert.

Im August hatte er beim Autofahren ein Ziehen im linken Arm und Enge in der Brust G10,S4,T4,NS und ständig etwas Übelkeit. G12, S4, T34,5,6,7,8, NS / G8, S2, T3-4(-17), BS-VS Er hatte häufigen Harndrang 2a, T2, S5, NS, die Zunge pelzig Mund – Pelzig (1) G2, S3, T2, NS und trocken G15, S5, T11, NS, schwindlig G12, S11, T5,6 NS, sei „total neben den Schuhen gestanden“. Gemüt – Geistesabwesend (282) 3A, T3ff, S7, NS Internistische Untersuchung und MRT waren unauffällig. Neurologe, Magen Darmspiegelungen und 8 Psychotherapien hat er gehabt und dann abgebrochen.

„Das ist auch mein Hauptproblem. Ich komme mir vor, wie wenn ich leicht berauscht wäre G12, S 18 T19, VS. Wie wenn ich nicht da wäre, wie auf Watte gehen. Wie wenn man krank wäre, merke es im Schulterbereich – verspannt G9, S2, T2,3, NS / G1, S7, T5, NS .Auch jetzt besteht ein Druck von der Mitte der Brustwirbelsäule nach vorne ausstrahlend in das Brustbein zum Schwertfortsatz, G10,S4,T4,NS  / Rücken - Schmerz - Dorsalregion - Schulterblätter - erstreckt sich zu - Brust – stechend (5) 17a, T19, 21, S12, NS wie wenn einem übel ist.

 

An manchen Tagen bin ich total abgeschlagen, total müde G4, S6, T3, NS - Pl, trotzdem ich wieder gut schlafen kann.

Im Dez habe ich nicht mehr schlafen können G9, S5, T5, NS / G4, S8, T11, NS - pl –  war um 2:00 munter.

Bin auf gutem Weg, aber noch da sind: Schwindel und dass die Beine und die linke Hand G12, S20, T22, NS plötzlich  bei langen Autofahrten sich anfühlen, wie wenn die nicht zu mir gehören würden, wie eingeschlafen, aber nicht so arg, wie narkotisiert. Wie wenn die Feinmotorik nicht mehr da wäre.  Die letzte Panikattacke war im Februar.

Auslöser? Vor dem Juni ist das Taufkind, meine Nichte an einem Hirntumor mit 3 J gestorben. Gemüt - Beschwerden durch - Tod von geliebten Personen (36) 3A, T2 ff, S4, NS Ich habe nicht geweint, bin ein Mensch der diese Probleme mit mir selber ausmacht, probiere alle anderen zu besänftigen. Ich versuche auch den Vermittler zu spielen für alle, dass die Familie nicht auseinanderfällt, habe mich um alle gekümmert Gemüt - Sorgen; voller - Verwandte, um (18) 15B, T6, S4, NS. Selbst habe ich mit keinem darüber geredet, aber auch kein Bedürfnis dazu gehabt. Der Tod war ein Jahr vor den Symptomen.

Das Gefühl? Verunsichert – ich glaube immer, ich habe eine Krankheit. Gemüt - Wahnideen - krank - würde krank werden; er (4) 12a, S1, T1,2, 6, VS

 

Ich bin ein sicherer Mensch, hilfsbereit, jeder kann alles haben. Gemüt - Erfüllen zu müssen; glaubt, die Wünsche anderer (2) 4A, T8-14, S7, NS - Pl 

Viele fragen mich mit Problemlösungen und bei Festerln bin ich der Hauptorganisator. Bin total selbstsicher.

Wenn ich ein Vorhaben habe, dann ist es schwer, mich davon abzubringen Ich beharre nicht 100%, aber bleibe bei meiner Entscheidung Gemüt - Festhalten an Meinungen, Entscheidungen (7) 4A, T1-2, S1, NS - pl.

Mit der Frau passt es, wir haben keine Kinder – ist auch kein Thema.

In der Früh nach dem Aufstehen ist es, wie ein Betonklotz an den Füßen. Die Waden fühlen sich an, wie wenn eine Wade 150 kg hätte, aber auch nicht täglich. Extremitäten - Schweregefühl – Beine (199) G4, S6, T3, NS - pl

Wie wenn ein Stein auf der Brust liegt in der Tiefenatmung: Brust - Beklemmung - Einatmen - tiefes Einatmen - Verlangen, tief einzuatmen (2) G10,S4,T4,NS / Brust - Beklemmung - Atmen; beim - erschwerter Atmung; mit (8) 19b, S1, T2, NS hundert kg draufgelegt und die muss ich jetzt mit dem Brustkorb hochdrücken. Wie ein Korsett, das rundherum einschnürt Gemüt - Wahnideen - eng; alles scheint zu (3) 4A, T8-14, S7, NS    - pl  im Brustbereich, wie eine Last. Im Rücken ein stechender Schmerz, wie wenn einer mit dem Messer reinsticht. Rücken - Schmerz - Dorsalregion – stechend (108) 15B, T10, S11, NS Vorne Stein, hinten eher messerartig.

 

Weiters gingen in die vergleichende Repertorisation ein:

Schwindel in der Hitze und beim Autofahren

Flimmersehen

Redseligkeit als meine Beobachtung aufgrund des langen Spontanberichtes, Verstopfung, gefolgt von weichem Stuhl. 

Analyse: Es zeigen sich viele Elemente aus dem Anfang des Periodensystems.

Sehr viel hitziger Sulfur, etwas Natrium chloratum Verhalten im Kummer. Da es ein eigenes Thema ist, aber Sulfur dabei, nat. chlor. dabei, Nichtentod gut weggesteckt (zu gut für Nat. chlor), Füße in Klötzen, Gefühl nicht richtig durchatmen zu können:

St. Leonhard nativ  C 200 und mitgegeben für in 2 Wochen

Ergebnis: 3 Wochen später:

Super: der Schwindel ist fast ganz weg, die Unsicherheit beim Gehen ist bis auf ganz wenige Tage weg. Ich bin bei Ihnen rausgegangen und habe am nächsten Tag die Erleichterung gemerkt.

2 Tage später habe ich die Magenspiegelung gehabt. Gleich 2-3 h nach der Magenspiegelung ist es mir für 3-4 Tage komisch gewesen, mit Schwindel, und ich habe mich körperlich nicht wohl gefühlt. Dann habe ich nach 2 Tagen nochmal die Globuli genommen – und hatte dann eine wesentliche und anhaltende Verbesserung.

Nach wie vor tut das Kreuz weh und ich habe einen Druck bei den Brustwirbeln, trotz Shiatsu.

Am 31. Juli im Urlaub bei Ängsten hat er das Mittel wiederholt – Besserung, und Mitte August nochmals.

Am 22. September 2014: Es geht gut: Harndrang ist weg, Betonklotz ist weg. Energie ist gut, berauschtes Gefühl und Wattegefühl sind weg. Mit dem Magen habe ich überhaupt keine Probleme mehr. Gelegentlich leichter Schwindel bei Bewegungen – die Verspannungen im Nacken werden aber besser. Leichte innerliche Angst die aufsteigt, dauert nicht lange.

Nach wie vor habe ich noch diese Denkweise – bist eh gesund? – wird aber besser.  Kontrolle bei Bedarf.

 

Diskussion:  Wer mit der Empfindungsmethode oder der angesprochenen Elemententheorie Jan Scholtens vertraut ist, wird sich fragen: Wir kennen die Elemente, die Pflanzeneinteilungen die Tiere, die Nosoden -  Was zeichnet das Reich der Gewässer aus? Wann denke ich daran?

Die Salze und Metalle haben relativ klare, leistungsbezogene Themen. Bei den Pflanzen wird es etwas diffuser, sensitiver – sie haben klarere Empfindungen. Sie bestehen in ihrer Wirkung aus vielen Salzen und deren Themen und zusätzlich ihrer eigenen Lebensweise. Die Tierarzneien kombinieren zu Leistungs- und Empfindungsthemen ihre arttypische Überlebensstrategie.

Wasser ist eine Mischung verschiedener, beweglicher Ionen (nicht festverbunden, wie die Salze). Es ist kein Komplexmittel,  da die besondere Zusammensetzung miteinander potenziert wird (nicht nachträglich zusammengewürfelt) – aber man kann sich mit dem komplexen Denken behelfen: das Wasser hat viel von dem und jenem, daher kommen diese Themen vor.

Wasser ist die mineralische Grundvoraussetzung für (pflanzliches) Leben: Es steht daher zwischen den Mineralien und den Pflanzen: Daher seine Sensitivität und Sensibilität. Aber es ist beeinflussbarer, da noch nicht an die arttypische Empfindung gebunden wie die Pflanzen.

Die einzelnen Wasserarten kann man einteilen wie die Stadien des Periodensystems, wobei ich nur zum Teil auf deren Inhaltsstoffe zurückgreifen würde: So stelle ich vorläufig das Aqua St. Leonhard aufgrund des Eisengehaltes in das Stadium 8, wie Ferrum im Periodensystem. Das native hat aber mehr Anteile von Stadium 3-4: Suchen und Staunen wo man hin will. Das enteisente hat mehr die Tendenz zu den Stadien des Verlustes – 14 – 17. Hypothetisch ist das St. Leonhard Wasser ein Stadium 8, dessen Seinszustand: Quelle – Fluss – Flasche ein Unterstadium. (Diese Vorstellung wird sehr kontroversiell gesehen, ist aber aus den Symptomen eher ableitbar, als dass die Eisenreduktion zu den Unterschieden führte).

Mit dem Wasser als amorphe Mineralien Menge muss man auch die Gesteine diskutieren. Diese sind sicher weniger sensibel auf äußere Einflüsse als Wasser. Aber es wird auch mit ihnen „einiges gemacht“. 

Hier hätte Wasser an sich das Stadium 1 – Erstarrungsgesteine wie Granit das Starre des Stadium 10 - vulkanische Gesteine das Eruptive des Stadium 15 und so fort. 

 

INFO:

Für ausführlichere Details siehe www.dr-hildebrandt.at – HAMSE

Die Arznei Aqua St. Leonhards kann unter www.remedia.at bezogen werden (ohne finanzielle Beteiligung des Autors).

Von seinem Vortrag in Leipzig gibt es auch eine DVD. Erhältlich beim Verein Quellen des Lebens. (www.quellen-des-lebens.com). Kosten: 10 Euro zzgl. Versandkosten.

 

 

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